Fan-Magazine der Yakuza?

von Carsten Germis

Yoko Fukuda zeigt mir während unserer Ermittlungen ein Fan-Magazin der Yakuza, also der japanischen Mafia. Fan-Magazine von kriminellen Banden? Ist so etwas wirklich möglich? Ja, und das hat einen einfachen Grund: Die Yakuza findet in der alternden japanischen Gesellschaft nur noch sehr schwer Nachwuchs. Es fehlen junge Nachwuchsgangster. Darum kam unlängst sogar eine Yakuza-Werbebroschüre heraus. Der größte Mafia-Clan des Landes, die Yamaguchi-gumi, ging mit einer achtseitigen Broschüre auf Werbetour. Japan hat die Gesetze gegen die Yakuza zwar verschärft, die Banden können aber weiter offen agieren und unterhalten in vielen Städten sogar offen so etwas wie Filialen. Wer einen Yakuza treffen will, der weiß, wo er ihn findet. Er sollte sich allerdings vorher überlegen, was er vom Gangster-Unterboss will, den er zu sprechen wünscht. Fan-Magazine der Yakuza sind in Japan sogar im Zeitschriftenhandel erhältlich, auch über Amazon.jp kann man sie bestellen. Sie berichten meist über Hilfsaktionen der Syndikate, die ein Robin-Hood-Image pflegen, aber ihr Geld heute auch immer stärker in der Finanzindustrie als mit Glückspiel, Prostitution oder Schutzgelderpressung verdienen. Jeder zweite Yakuza in Japan gehört zur Yamaguchi-gumi, die ihr Hauptquartier in Kobe hat, aber auch in der Hauptstadt Tokio einflussreich ist. 17300 „Vollmitglieder“ hat sie nach Angaben der Polizei vor zwei Jahren noch gehabt. Allein 2012 soll sie aber um 3300 Personen geschrumpft sein. Hinzu kommt, dass Banden aus China und Korea den japanischen Clans immer mehr Konkurrenz machen.

Zugehörigkeit zur Yakuza ist nicht strafbar

Mit dem öffentlich nicht erhältlichen Werbemagazin reagiert die Yamaguchi-gumi jetzt auf die Krise der organisierten Kriminalität. In der Broschüre gibt es sogar Gedichte, dazu Reportagen, etwa über Angelausflüge von Gangsterbossen, und Lesestücke über traditionelle Brettspiele. Auf dem Titelbild wendet sich Yamaguchi-Boss Kenichi Shinoda an die potentiellen Neugangster. „Sie spüren, dass es für sie schwerer geworden ist, seit sie wegen neuer Gesetze nicht mehr Bankkonten eröffnen und Immobilienverträge schließen dürfen“, sagte ein leitender Polizeibeamter. Am Immobiliengeschäft hatte die Yakuza im Verein mit Lokalpolitikern und Bauunternehmern gut verdient. Die Zugehörigkeit zur Yakuza ist in Japan nicht strafbar. Die Polizei darf nur eingreifen, wenn Verbrechen begangen werden.

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